Die Wanderung zum Teapot Mountain (Cha Hu Shan) und Banpinshan in Jinguashi gehört für mich ganz klar zu den besten Tageswanderungen in Nordtaiwan. Atemberaubende Ausblicke, steile Aufstiege mit Seilsicherungen, echtes Felsenklettern, schmale Grate und erstaunlich wenige andere Wandernde – diese Tour vereint alles, was mein Outdoor-Herz höherschlagen lässt.
Während Jiufen weltweit für seine romantische Old Street mit roten Laternen bekannt ist, bleiben die dramatischen Berge rund um Jinguashi für viele Tourist*innen ein echter Geheimtipp.
In diesem ausführlichen Guide erfährst du alles, was du für die Wanderung zum Teapot Mountain und Banpinshan wissen musst – inklusive Anreise, detaillierter Routenbeschreibung, praktischer Tipps und der perfekten Kombination mit einem Abend in der Jiufen Old Street.
Startpunkt Wanderung: Quanji Tempel, Jinguashi
Strecke: ca. 5,7 km (fast ein Rundweg, siehe die Karte)
Dauer: ca. 3 Stunden (ohne Pausen)
Höhenmeter: ↑ 429 m | ↓ 420 m
Höhenlage:
Schwierigkeitsgrad:
Einkehrmöglichkeiten:
Orientierung:
Wir entscheiden uns, unsere Wanderung am Quanji Tempel in Jinguashi zu starten. Von Taipeh aus ist die Anreise unkompliziert und ohne Umsteigen möglich.
Bus ab Taipeh:
Wenn du bereits in Jiufen bist, kannst du an der Jiufen Old Street in die Busse 1062 oder 788 steigen und erreichst den Quanji Tempel in etwa 20 Minuten.
Der alternative Startpunkt liegt auf dem Gelände des Gold Ecological Museums in Jinguashi. Viele Wandernde, die nur zum Teapot Mountain und zurück wollen, beginnen ihre Tour hier.
Eintritt Museum: 80 TWD (bar oder EasyCard)
Öffnungszeiten:
Mo–Fr: 09:30–17:00
Sa/So/Feiertage: 09:30–18:00
Geschlossen: erster Montag im Monat
Ist das Museum geschlossen, kannst du das Gelände dennoch betreten und die Wanderung starten.
Bevor die eigentliche Wanderung zum Teapot Mountain beginnt, nehmen wir uns Zeit für den Quanji Tempel (Eintritt kostenlos). Er thront leicht erhöht über Jinguashi und bietet bereits schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge.
Besonders eindrucksvoll ist die riesige Statue von Guan Yu (Guangong) auf dem Tempeldach – dem chinesischen Gott des Krieges, der für Loyalität, Mut und Rechtschaffenheit verehrt wird. Die monumentale Figur scheint schützend über den Ort zu wachen.
Auf dem Tempelgelände selbst befindet sich eine weitere, ebenso beeindruckende große Bronzestatue von Guan Gong, die bereits 1896 errichtet wurde und damit auf die Zeit der Qing-Dynastie zurückgeht.
Der Quanji Tempel gilt als das religiöse Zentrum von Jinguashi und ist bei Einheimischen ein wichtiger Ort für Gebete, Opfergaben und traditionelle Zeremonien. Trotz seiner Bedeutung herrscht hier am Morgen eine angenehm ruhige, fast meditative Stimmung. Räucherstäbchen, leise Gebete und der Blick auf die umliegende Natur schaffen einen besonderen Moment der Entschleunigung – ein schöner Kontrast zur späteren, körperlich fordernden Wanderung.
Direkt vor dem Tempel gibt es zahlreiche Sitzgelegenheiten, sodass wir hier noch ein paar mitgebrachte Snacks zu uns nehmen. Neben dem Tempel gibt es auch ein kleines Restaurant, falls man sich mit etwas Herzhafterem stärken will.
Distanz: ca. 1,5 km
Dauer: ca. 1 Stunde
Der Weg beginnt entspannt am Parkplatz vor dem Quanji Tempel. Wir spazieren an ein paar Wohnhäusern vorbei, freundliche Hunde begrüßen uns.
Bald darauf geht es über zahlreiche Stufen bergauf. Ein Teil des Weges verläuft über eine asphaltierte Straße, bevor wir rechts auf einen weiteren Treppenweg abbiegen. Hier befindet sich auch ein kleines Toilettenhäuschen.
Obwohl es an unserem Wandertag Anfang Oktober ziemlich wolkig ist, spüren wir die hohe Luftfeuchtigkeit. An einem sonnigen Tag sollte man auf ausreichend Sonnenschutz achten, da es auf dem Großteil der Wanderung keine Schattenmöglichkeiten gibt.
Wir erreichen eine erste größere Holzplattform, die eine wunderbaren Blick auf die Nordküste Taiwans bietet. Nach noch mehr Stufen bergauf kommen wir zu einem Pavillon mit Sitzmöglichkeiten. Hier eröffnet sich ein weiterer Wow-Moment mit Blick auf Keelung Mountain, das Ostchinesische Meer – und direkt hinter uns der Teapot Mountain, erkennbar an seinen gigantischen Felsbrocken. Da es hier oben ziemlich windig ist, begeben wir uns auf den letzten Abschnitt zum Teapot Mountain.
Ab hier wird es steiler: Nur noch 550 Meter bis zum Gipfel. Ein Seil hilft uns dabei, den Anstieg zu überbrücken.
Nun beginnt das eigentliche Abenteuer. Am Ende des Weges stehen wir vor einem riesigen Felsen – dem Teapot Mountain.
Der einzige Weg nach oben führt durch eine Höhle im Fels. Mithilfe fest installierter Seile klettern wir durch eine Öffnung nach oben. Für große Rucksäcke kann es eng werden – gegebenenfalls kurz abnehmen.
Zwar warnen mehrere Schilder vor der Gefahr, doch mit Umsicht, Trittsicherheit und Ruhe ist dieser Abschnitt gut machbar.
Viele Wandernde kehren hier um. Wer jedoch noch mehr Abenteuer sucht, sollte unbedingt weiter zum Banpinshan gehen.
Dauer: ca. 30–45 Minuten
Auf der Rückseite des Teapot Mountain schlängelt sich der Pfad über einen grasbewachsenen Grat. Gleich zu Beginn geht es steil bergab, gesichert mit einem kniehohen Seil.
Es folgt ein abwechslungsreicher Abschnitt mit kleinen Hügeln, dichten Grasflächen, matschigen Passagen und weiteren seilversicherten Stellen.
Kurz vor dem Gipfel stehen wir vor einer fast senkrechten Felswand und zögern etwas. Hier sollen wir hoch, um auf den Gipfel zu kommen? Wir atmen kurz durch und wagen das Abenteuer. Die Kletterstelle ist gut gesichert mit stabilen Seilen und Tritten. Technisch ist es deutlich einfacher als es aussieht, doch für Menschen mit Höhenangst ist dieser Abschnitt absolut nichts.
Über einen schmalen, seilversicherten Grat erreichen wir das Gipfelschild auf 705 m Höhe. Hier oben genießen wir ein 360°-Panorama, das zu den besten gehört, die wir je in Taiwan gesehen haben: Wir schauen zurück auf den zerklüfteten Teapot Mountain und die zahllosen Buchten der Nordküste. Die grünen Bergketten sehen magisch aus und der Keelung Mountain erinnert an einen schlafenden Drachen.
Bis auf eine niederländische Touristin, die mit uns gemeinsam diese Kletterpartie gewagt hat, begegnen wir niemand anderem hier auf dem Gipfel. Auch auf der Tour zum Teapot Mountain sind uns nur eine handvoll Menschen begegnet. Eigentlich ist diese Wanderung sehr beliebt. Vielleicht liegt es daran, dass wir an einem Wochentag unterwegs sind und deswegen weniger Personen wandern gehen. Wir finden es auf jedenfall traumhaft.
Vom Banpinshan gibt es die Möglichkeit noch einen weiteren Gipfel zu besteigen, den Canguangliaoshan. Wir haben diesen Gipfel allerdings ausgelassen, weil wir später noch durch die Jiufen Old Street bummeln wollten. Wir sind daher vom Banpinshan abgestiegen, bis wir eine asphaltierte Straße erreicht haben. Nach ein paar hundert Metern auf dieser Straße, zeigt ein Wanderschild auf einen Weg rechts, der bergab über Stufen bis zum Goldmuseum führt. Auf dem Weg hast du mehrmals die Möglichkeit, den Teapot Mountain auf der rechten Seite aus dem richtigen Winkel zu bewundern, sodass er tatsächlich wie eine Teekanne aussieht und seinem Namen gerecht wird.
Optional lohnt sich ein Abstecher zum Jinguashi Shinto-Schrein, einem ehemaligen japanischen Schrein aus dem Jahr 1933 – ruhig, mystisch und sehr atmosphärisch.
Nach ca. 30 Minuten haben wir das Gelände des Goldmuseums erreicht. Wenn du Zeit und Lust hast, kannst du natürlich noch das Museum besuchen oder in einem der Restaurants neben dem Museum etwas essen.
Wir hatten noch andere Pläne für den Tag und sind daher mit dem Bus (Nr. 1062 oder 788) in ca. 8 Minuten direkt bis zur Haltestelle Jiufen Old Street gefahren.
Unbedingt mitnehmen:
Ausrüstung:
Beste Zeit:
Nur wenige Meter von der Bushaltestelle und der Jiufen Old Street entfernt liegt eine wunderschöne Aussichtsplattform.
Von hier blickst du über die raue Nordküste Taiwans mit ihren tief eingeschnittenen Buchten, kleinen vorgelagerten Inseln und dem endlosen Blau des Meeres. Bei klarer Sicht staffeln sich im Hintergrund die grünen Bergketten Nordtaiwans – ein perfekter Ort für einen Moment Ruhe vor dem Trubel der Old Street.
Die Jiufen Old Street ist einer der ikonischsten Orte Taiwans und für viele Reisende ein absolutes Muss. Die historische Gasse schmiegt sich an einen steilen Berghang oberhalb der Nordküste und versprüht eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Nostalgie, Streetfood-Paradies und Postkartenmotiv liegt. Besonders nach einer Wanderung in den umliegenden Bergen – wie bei uns auf den Teapot Mountain – ist Jiufen der perfekte Ort, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.
Jiufen war einst ein kleines Goldgräberdorf, das während der japanischen Kolonialzeit zu Wohlstand kam. Heute erinnern alte Holzhäuser, enge Treppen, rote Laternen und traditionelle Fassaden an diese Zeit. Beim Schlendern durch die Old Street fühlt es sich an, als wäre die Zeit stehen geblieben – kein Wunder, dass Jiufen oft mit den Kulissen aus dem Studio-Ghibli-Film „Chihiros Reise ins Zauberland“ in Verbindung gebracht wird, auch wenn dies nie offiziell bestätigt wurde.
Die Jiufen Old Street ist ein wahres Paradies für Genießer. Entlang der schmalen Gasse reihen sich unzählige Stände und kleine Läden aneinander, die typische taiwanische Snacks anbieten, darunter:
Taro-Bällchen (芋圓)
Erdnuss-Eisrollen
Kräuter-Reiskuchen
Fischbällchen & Dumplings
Zwischen den Essensständen findest du Souvenirläden, Teegeschäfte und traditionelle Apotheken, die getrocknete Kräuter und Süßigkeiten verkaufen.
Ein absolutes Highlight ist der Besuch eines der klassischen Teehäuser, allen voran das berühmte Amei Teahouse. Die steile Treppe dorthin zählt zu den meistfotografierten Motiven Jiufens. Bei einer Tasse Oolong-Tee genießt du hier nicht nur Ruhe, sondern auch einen wunderschönen Blick über Dächer, Meer und Berge. Vor dem Amei Teahouse selbst herrscht meist geschäftiges Treiben, insbesondere am Abend, wenn die Straße mit den roten Laternen beleuchtet wird und sich fast märchenhafte Stimmung ausbreitet.
Tipp: Wenn möglich, besuche Jiufen unter der Woche oder bleibe über Nacht. Sobald die Tagestouristen abreisen, zeigt sich die Old Street von ihrer ruhigeren und authentischeren Seite.
Auch wenn Jiufen als Tagesausflug von Taipeh sehr gut möglich ist, gilt: Übernachten lohnt sich!
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