Der Lake Natron gehört zu den Orten, die man nicht nur besucht, sondern erlebt. Im Norden Tansanias, eingebettet zwischen Vulkanlandschaften, Savannen und der Weite des Rift Valley, erwartet euch eine Region, die sich völlig anders anfühlt als die klassischen Safari-Ziele des Landes.
Nach unserer Safari im Amboseli-Nationalpark in Kenia führte uns die Reise weiter nach Tansania – und mit dem Lake Natron zu einem der eindrucksvollsten Orte unserer gesamten Ostafrika-Reise. Wenn ihr unseren Safari-Bericht aus Kenia noch nicht kennt, findet ihr ihn hier.
Bevor es Richtung Lake Natron ging, legten wir noch einen entspannten Zwischenstopp in Arusha ein.
Unsere Unterkunft war die Africa Safari Lodge Arusha* – genau der richtige Ort, um nach den Erlebnissen in Kenia erst einmal anzukommen.
Am Abend saßen wir am Feuer, ließen die bisherigen Eindrücke Revue passieren und genossen das leckere Buffet. Nach den langen Reisetagen tat auch der Pool unglaublich gut und bot die perfekte Möglichkeit zum Abschalten.
In Arusha kannst du z. B. die African Art Gallery bei Arusha (hier Infos zu Öffnungszeiten). Wer Kunst, Farben und afrikanisches Kunsthandwerk liebt, sollte hier unbedingt einen Stopp einplanen. Zwischen Gemälden, Skulpturen und traditionellen Werken bekommt man einen wunderbaren ersten Eindruck von der kulturellen Vielfalt Tansanias.
Doch das eigentliche Abenteuer wartete auf uns am nächsten Tag.
Die Strecke von Arusha zum Lake Natron ist gar nicht so lang, wie man zunächst vermuten würde – trotzdem sollte man für die Fahrt etwa fünf bis sechs Stunden einplanen. Je nach Route legt man ungefähr 170–220 Kilometer zurück.
Der Grund dafür wird schnell klar: Die sehr gut ausgebauten Straßen gingen nach und nach in Gravelroads, also unbefestigte Pisten, über. Die Fahrt ist staubig, holprig und langsam – aber gleichzeitig unglaublich eindrucksvoll.
Unterwegs veränderte sich die Landschaft immer mehr.
Die Savanne wurde weiter, die Berge markanter und plötzlich tauchte er am Horizont auf: Ol Doinyo Lengai. Der Name stammt aus der Sprache der Massai und bedeutet „Berg Gottes“. Der fast 2.960 Meter hohe aktive Schichtvulkan ist weltweit einzigartig. Anders als die meisten Vulkane stößt er Karbonatit-Lava aus – eine extrem dünnflüssige Lava, die mit etwa 510 °C vergleichsweise „kühl“ ist. Wir sind total beeindruckt vom Anblick dieses Vulkans, den wir auf der Strecke immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln bewundern können.
Und auch entlang der Strecke gab es ständig etwas zu entdecken:
Genau diese Mischung aus Natur und Alltag machte die Fahrt für uns zu einem Erlebnis.
Nach über 6 Stunden Fahrt kamen wir endlich an. Als wir die Africa Safari Lodge Lake Natron* erreichten, wussten wir sofort: Dieser Ort ist etwas Besonderes.
Schon der Pool war spektakulär – mit direktem Blick auf den Vulkan.
Auch kulinarisch hat uns die Lodge begeistert. Das Buffet am Abend und Morgen (auch mit leckeren vegetarischen Optionen) war sehr lecker und bot eine tolle Mischung aus regionalen und internationalen Gerichten. Besonders schön fanden wir den erhöht gebauten Essbereich: eine offene Holzkonstruktion mit viel Atmosphäre und Blick über die Landschaft bis Richtung See. Von hier aus konnten wir auch wunderbar den Sonnenuntergang genießen.
Am ersten Abend stellte sich die Crew vor. Es wurde gesungen, getanzt und gelacht – unglaublich herzlich und authentisch. Man fühlte sich sofort willkommen.
Noch bevor es ganz dunkel wurde, ging ich am ersten Abend noch einmal nach draußen. Und plötzlich standen sie da: Giraffen. Direkt an der Lodge.
Ein Massai-Mitarbeiter begleitete uns und ging langsam und respektvoll mit uns an den Tieren vorbei. Alles war ruhig. Kein Gedränge, keine Hektik – nur dieser besondere Moment mitten in der Natur.
Später in der Nacht entdeckten wir sogar Zebras mit Jungtieren in der Nähe unserer Unterkunft. Die Tiere hier werden nicht angefüttert, sondern befinden sich ganz natürlich bei der Lodge. Diese unglaublichen Begegnungen wurden am Abend mit einem unfassbaren Sternenhimmel vervollständigt. Was für ein schöner erster Tag am Lake Natron.
Am nächsten Morgen um ca. 6:45 Uhr wartete dann der nächste Gänsehautmoment auf uns: Ein traumhafter Sonnenaufgang über dem Lake Natron – und auch die Giraffen waren wieder da.
Von unserer Unterkunft haben wir direkten Blick auf den Lake Natron. Dieser See ist keineswegs ein gewöhnlicher See. Der See ist ein sogenannter Sodasee mit einem extrem hohen Salzgehalt. Das Wasser hat einen pH-Wert von bis zu 12 (vergleichbar mit Ammoniak) und erreicht Temperaturen von über 40 °C. Durch Verdunstung entstehen teilweise intensive Rot- und Orangetöne, die dem See seine fast surreale Erscheinung verleihen.
Der hohe Natrongehalt wirkt stark ätzend und konservierend. Tiere wie Vögel oder Fledermäuse, die im Wasser verenden, werden auf natürliche Weise mumifiziert und verkalken zu steinähnlichen Statuen.
Gleichzeitig ist er eines der wichtigsten Brutgebiete für Flamingos in Ostafrika. Circa drei Viertel der weltweiten Population von Zwergflamingos finden hier ideale Bedingungen und nutzen den See als geschützten Lebensraum.
Eine der schönsten Aktivitäten vor Ort ist der Flamingo Walk mit einem lokalen Guide, der direkt bei unserer Unterkunft angeboten wurde.
Dabei spaziert man entlang des Seeufers und kann die Flamingos aus der Entfernung beobachten. Die Tiere halten sich meist weiter draußen auf – genau deshalb lohnt es sich, ein Fernglas mitzunehmen. So lassen sich die Flamingos wunderbar beobachten, ohne sie zu stören.
Gleichzeitig genießt man diese unglaubliche Landschaft aus Salzflächen, Weite und Vulkanpanorama. Der Spaziergang verläuft ohne große Anstiege, der Untergrund kann etwas uneben sein, sodass festes Schuhwerk wie Turnschuhe gut geeignet ist. Oder man macht es wie unser Guide, dessen Sandalen aus Autoreifen hergestellt wurden.
Eine weitere Besonderheit rund um den Lake Natron sind die Engaresero Human Footprints.
Dabei handelt es sich um versteinerte menschliche Fußabdrücke, die in vulkanischem Schlamm konserviert wurden. Das Alter der Engaresero Human Footprints wird auf etwa 6.000 bis 19.000 Jahre geschätzt. Sie zählen damit zu den bedeutendsten fossilen Fußabdruck-Fundstellen Afrikas. Die über 400 erhaltenen Spuren geben faszinierende Einblicke in das Leben früher Menschen am Lake Natron.
Nach unseren zwei Tagen am Lake Natron führte uns die Reise auf einer langen Fahrt weiter Richtung Lake Manyara und zum Tarangire National Park.
Gerade diese Kombination würden wir jederzeit wieder so planen: Safari in Kenia – Vulkanlandschaft & Lake Natron – Nationalparks in Tansania.
Wenn ihr mehr über unsere Erlebnisse im Tarangire Nationalpark erfahren möchtet, findet ihr hier unseren ausführlichen Bericht.
Der Lake Natron war für uns einer der überraschendsten Orte unserer Tansania-Reise. Nicht nur wegen der Flamingos oder des Vulkans. Sondern wegen dieser besonderen Atmosphäre: die Weite, die Ruhe, die Begegnungen mit den Massai und die Tierbeobachtungen direkt an der Lodge. Genau solche Erlebnisse bleiben.
Wenn ihr Tansania abseits der klassischen Safari-Routen entdecken möchtet, solltet ihr den Lake Natron unbedingt einplanen. Es ist eine lange Fahrt – aber jede Minute wert.